Anfang Mai 2009 war ich zu Besuch bei meiner Freundin und Praktikantin Petra Müller und ihrem Haflingerwallach “Stormy” in 77889 Seebach im Schwarzwald. Petra hat gerade ihre Ausbildung zur Hufpflegerin beendet (mobil 0171 43 67 435) und bearbeitete seit Ende Oktober 2008 die Hufe ihres Wallachs nach den Prinzipien des Natural Hoof Care. Stormy war über längere Zeit hinweg beschlagen und zeigte eine stark vorbiegige Stellung und Schwäche im Karpalgelenk. Jahrelange falsche Hufbearbeitung führte zu weicher Fesselung und untergeschobenen Trachten und mit einem NBS-Beschlag und den üblichen Hufbearbeitungspraktiken, nämlich die Zehe von unten kürzen und außen abstrecken, wurde versucht, Stormy “steiler” zu stellen. Stormy ging damit mehr schlecht als recht, war trotz Eisen meistens klamm und Petra wollte den Versuch wagen, ihn auf barhuf umzustellen und ihn mit Hufschuhen zu reiten.

Stormy mit Beschlag
Also haben wir ihm Ende Oktober die Eisen abgenommen.

Huf nach Abnahme des Beschlages
Hier ein Bild von Stormys körperlichem Zustand nach der Eisenabnahme.
Man kann deutlich erkennen, was die fehlerhafte Hufbearbeitung vergangener Jahre angerichtet hat. Stormys Muskulatur im Hals und Schulterbereich war durch die unphysiologische Belastung fehlentwickelt und dadurch hart verspannt und enorm druckempfindlich. Die Fehlstellung der Gelenke und Schmerzen im Hufbereich führten dazu, dass Stormy versuchte, über Schulter-, Rücken- und Kruppenmuskulatur selbige auszugleichen.
Gerade bei der Abnahme der Hintereisen machte sich sofort eine Besserung der Stellung bemerkbar.

Stellung der Hinterhand mit Beschlag

Hinterhand direkt nach Abnahme des Beschlages
Durch das zu starke Ausdünnen der Sohle und zu viel Hornabnahme an der Zehe hatte sich an den Vorderhufen eine dicke Sohlenschwiele zum Schutz des Hufbeines unter dem Eisen (!) gebildet.

... zu stark ausgedünnten Sohle im Zehenbereich

- dicke Schwiele zum Schutz der…
Die Sohlenschwiele wurde belassen, die Trachten an den Vorder- und Hinterhufen wurden leicht zurückgesetzt und die Hufe mit einer Mustangroll berundet.

Stormy ging ohne Fühligkeit und mit deutlich aktiverer Hinterhand. Da die Wege in Petras Region stark geschottert sind, wurden Stormy Easyboot Bare angepasst und so konnte er ohne Probleme geritten werden.

Stormy mit Easyboots Bare und Torsion X-Tra Light
Welche Selbstheilungskräfte in einem Huf stecken, sahen wir vier Wochen später!

Vorderhuf vier Wochen nach erster Bearbeitung



Stormy vier Wochen nach der ersten NHC-Bearbeitung
Stormy war körperlich schon in einer besseren Verfassung, die Sohlenschwiele im Zehenbereich hatte sich gelöst und es hatte sich eine leichte Sohlenwölbung gebildet. Am Kronrand konnte man erkennen, das der Huf mit einer guten Verbindung zum Hufbein nachwachsen würde.
Über den Winter bearbeitete Petra Stormys Hufe weiterhin nach NHC, indem sie die Zehe und Sohle komplett in Ruhe ließ, die Trachten regelmäßig zurücksetzte und die Hufe mit der Mustangroll berundete. Als ich Stormy nun Anfang Mai wiedersah, war ich begeistert!

Stormy Anfang Mai 2009
Schulter, Hals, Rücken, Kruppe - der ganze Körper hat sich sichtlich entspannt und gewandelt, obwohl Petra wegen des vielen Schnees im Schwarzwald kaum reiten konnte. Das ehemals schwache Karpalgelenk hat sich stabilisiert und von der ehemals weichen Fesselung und Durchtrittigkeit ist kaum noch was zu erkennen. Zudem erlebte Petra zum ersten Mal einen Stormy, der im gestreckten Galopp und bockend über die Weide fetzte!
Die Vorderhufe haben sich im Trachtenbereich geweitet und die Zehe ist bereits kürzer geworden.
Ich zeigte Petra, wie sie den Abrollpunkt an Stormys Hufen bestimmen und anbringen konnte, damit die Zehe sich weiter verkürzt und die Verbindung des Hufbeinträgers sich ebenfalls weiterhin verbessert.



Jahrelang wurde unter Berücksichtigung des “Fesselstandes” zwanghaft versucht, Stormy “steiler” zu stellen, indem die Zehe gekürzt und dabei im Sohlenbereich schmerzhaft ausgedünnt und die Trachten stehengelassen wurden. Petra dagegen hat “den Huf gelesen” , die Trachten unter Berücksichtigung der lebenden Sohle nach und nach zurückgesetzt, Zehe und Sohle komplett in Ruhe gelassen und den “Mustangroll” durch Berunden der Hufe erneuert. Belohnt wurde sie mit einem lebens- und bewegungsfreudigeren Stormy und meiner Bewunderung! Klasse gemacht, Petra!