Den Huf lesen
Nachdem das Pferd im Stand und in der Bewegung begutachtet wurde (einem erfahrenen Experten reicht ein kurzer Blick über das stehende Pferde sowie wenige Schritte im Schritt und Trab), wird der Huf in Augenschein genommen - er wird “gelesen”. Jede Imbalance, jede Verbiegung offenbart dem erfahrenen Hufexperten bereits so manche Problematik, die sich evtl. bereits in der Bewegung zeigte und die vielleicht sogar vorhandene reiterliche Probleme erklären.
Jeder Verbiegung der Hufwand wird Beachtung geschenkt. Hornringe, Risse wie auch Spalten und Ausbrüche geben Auskunft über den Zustand des Hufes. 
In der Seitenansicht ist deutlich zu erkennen, dass die Zehenwand nicht gerade zum Boden verläuft, sondern den Winkel verändert (”Rotation” Hufbein).
Der rechte Vorderhuf zeigt genau das gleiche Problem: die Zehe ändert mehrmals ihren Winkel und “schnabelt” (hebelt) nach vorne weg:
Nach regelmäßiger Bearbeitung nach den Prinzipien des NHC wurden diese Hufprobleme nach knapp 8 Monaten beseitig; die Hufe zeigen nun eine natürliche Kürze und die Zehe einen geraden Wandverlauf:
Ein hochgeschobener Kronrand…
… spiegelt sich oftmals in der Sohlenansicht an einem Wandüberstand wieder:
Wer den Huf richtig “lesen” kann, gibt ihm durch die daraus folgende logische Bearbeitung den richtigen Abrieb, damit er sich selbstständig formen kann!
Zeigen die Trachten eine gute Balance? Sind die Ballen vielleicht verschoben? Jede Imbalance im Huf gibt Auskunft. Dieser Huf zeigt ungleich lange Trachten nach Abnahme des Eisens, was bedeutet, dass der Huf schon vor dem Beschlag nicht richtig zubereitet wurde:
Dieser vernachlässigte Huf zeigt eine ungleichmäßige Belastung (links deutlich mehr Wandüberstand von Trachte bis Mitte Zehe wie rechts im Bild). Dies wirkt sich natürlich auch auf die Gelenke und somit auf die gesamte Biomechanik des Pferdes aus …
Der Strahl ist ein wichtiger Indikator für die Hufgesundheit. Ist er natürlich gesund ausgeprägt mit Bodenkontakt …
… oder zeigt sich Strahlfäule?
Ein Strahl, der durch Strahlfäule oder durch zu starkes Zurückschneiden keinen Bodenkontakt mehr hat, zieht sich wie ein unbenutzer Muskel zurück und wird schmäler, was die Ausbildung eines Zwanghufes und einer nach vorne gezogenen Zehe begünstigt.
Die Gesundheit des Strahles zeigt sich auch in einem ausgeprägten Ballenpolster. Es handelt sich hier um ein faserreiches und fetthaltiges Gewebe, das als Polster und Stoßdämfper für die inneliegenden Strukturen wie tiefer Beugesehne, Strahlbein, Schleimbeutel (”Hufrolle”) und Hufbein dient.
In diesem Fall ist das Ballenpolster durch mangelnden Bodenkotakt des Strahles und Strahlfäule atrophiert:
Ein gesunder Huf zeigt eine natürliche Sohlenwölbung:
An diesem weiten Huf wurden durch jahrelange falsche Hufbearbeitung die Wände durch zu starkes und zu hohes Abstrecken ausgedünnt, was zu einer Schwächung des Hufbeinträgers führte.
Als Folge hiervon kam es zu einer Hufbeinabsenkung, was sich in einer flachen und dünnen Sohle zeigt:
Auch die Wanddicke gibt dem Hufexperten wichtige Hinweise.

Der Huf zeigt, was er braucht…
… und wird dementsprechend bearbeitet:
Dieser Huf zeigt in der Sohlenansicht deutlich seine Imbalance:
Wer den Huf versteht, seine Funktionalität erkennt , kann ihn auch lesen und durch einfache und doch effektive Bearbeitung schnell seinen Teil zur Heilung der Hufkapsel beitragen! Vielleicht erkennen Sie nun, wie wichtig es für den Hufexperten ist, die inneren Strukturen des Hufes genau zu kennen und zu verstehen. Sobald eine davon nicht richtig funktionieren kann, kommt der ganze Huf aus dem Gleichgewicht und eins ergibt das andere…
©Manu Volk



















