Die Zehen-, Seiten- und Trachtenwände eines natürlichen Hufes haben die gleiche Stärke.

Mustanghuf; australischer Brumbie

 Pferde, die über einen längeren Zeitraum hinweg beschlagen waren, haben meist dünne Seitenwände. Der Huf ist immer um einen “natürlichen” Zustand bemüht und da sich der Huf durch den Beschlag nicht abnutzen kann, bildet er bei dem Versuch, für eine schnellere Abnutzung zu sorgen, immer dünnere Seitenwände … Die gesunde Dicke der Wand wird sich mit der Zeit und regelmäßiger guter Barhufbearbeitung wieder einstellen.

Vorderhuf 8 Wochen nach Beschlagsabnahme

Die vom Huf vorgegebene Wandstärke (den Huf lesen!) wird nicht ausgedünnt, um z.B. eine Wandverbiegung zu beseitigen. Der Huf zeigt oftmals genau, wieviel von der Wandstärke “zu viel” ist und entfernt werden sollte:

ungleiche Wandstärke

Den Huf lesen

Den Huf lesen

Wenn Wandverbiegungen vorhanden sind, wird nur das untere Drittel des Hufes bis zur vorgegebenen Wandstärke gestreckt und dann berundet (Mustang Roll). Man gibt der Hufwand die Zeit, die sie braucht, um mit einer gesunden Hufbeinverbindung und Wandstärke herunterzuwachsen. Wandverbiegungen werden NICHT für das Auge weggeraspelt, sondern sie wachsen langsam nach unten:

Huf mit Wandverbiegungen vor Bearbeitung

 Huf nach Bearbeitung

Wenn keine Wandverbiegungen vorhanden sind, wird die Wand nur gut berundet.

Huf vor Bearbeitung

Sohlenansicht vor Bearbeitung

Wand auf gleiche Dicke bringen

Huf nach Bearbeitung

Wandüberstand wird knapp über oder auf Sohlenniveau gekürzt. Der erfahrene Hufexperte weiß, wieviel er beim jeweiligen Pferd kürzen soll/muss (Reit- oder Weidepferd, Bodenverhältnisse, Gesundheitszustand des Hufes etc.). Der Tragrand des Hufes sollte nicht entfernt, beraspelt oder beschnitten werden (Sohlenschwiele). 

Wandüberstand wird entfernt...

 ... ohne in's "Leben" zu raspeln!

Der “Tragrand” besteht aus unpigmentierter Schicht, weißer Linie und dem äußeren Rand der Sohle.

Tragrand: unpigmentierte Schicht, weiße Linie und Sohle

natürlicher Tragrand

natürlicher Tragrand

Von vielen wird fälschlicherweise der Wandüberstand als Tragrand bezeichnet. Ein Wandüberstand ist immer ein zuviel an Hornmaterial, dass sich das Pferd durch mangelnde Möglichkeit nicht abnutzen kann!

Wandüberstand Trachten und Seitenwand - von vielen fälschlicherweise als Tragrand bezeichnet!

Wandüberstand Trachten- und Seitenwand - von vielen fälschlicherweise als Tragrand bezeichnet!

An diesem Huf sehen Sie den Unterschied zwischen natürlichem Tragrand (äußere/rechte Hufseite) und einem leichten Wandüberstand (innere/linke Hufseite):

links Wandüberstand - rechts natürlicher Tragrand

 links Wandüberstand - rechts natürlicher Tragrand

links Wandüberstand - rechts natürlicher Tragrand

Pferde auf dem Wandüberstand herumlaufen zu lassen, hat ungefähr den gleichen Effekt, wie wenn Sie sich ständig am Fingernagel “schnippen”

- das unangenehme Gefühl, dass Sie dabei emfpinden, hat ein Pferd bei jedem Schritt auf allen vier Hufen!! Die Hornkapsel wird hierbei im oberen Bereich des Hufes ständig vom Hufbein weggezogen (genauso fühlt es sich auch bei Ihrem Fingernagel an!), was zu einer Schwächung des Hufbeinträgers führt. Wächst diese schwache Verbindung nun herunter, ist es nur logisch, dass der Wandüberstand nun die Hufwand von der vorgeschwächten weißen Linie weghebelt und diese leicht angerissen wird. Bakterien haben leichter Zugang und schon hat man eine “White Line Desease”…

Der Wandüberstand hebelt

 ... und schwächt (zerreißt) die weiße Linie

Der Clip der Swedish Hoof School verdeutlicht sehr gut, was dabei  in der Hufkapsel geschieht und jeder, der danach noch glaubt, das Pferd müsse auf dem Wandüberstand herumlaufen…

http://www.youtube.com/watch?v=ej1MNNz2mgI

Den Seitenwänden sollte es erlaubt werden, sich wie der Bogen unserer Füße ”auszuhöhlen”, was bedeutet, dass die Seitenwände nicht den Boden erreichen. Wenn die Aushöhlung für den einzelnen Huf  natürlich ist, wird der Verlauf der Sohle dies anzeigen (auch hier wieder: den Huf lesen).

"ausgehöhlte Seitenwand"

©Manu Volk