Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Die Hufwand
Die Hufwand eines natürlich gesunden und balancierten Hufes verläuft gerade und eben vom Haaransatz bis zum Boden.

Die Zehen-, Seiten- und Trachtenwand besitzen in ihren Abschnitten die gleiche Stärke.

Bei einem gesunden und gleichmäßig belastetenHuf verläuft der Kronrand in einem harmonischen Bogen über die Zehe und fällt über die Seitenwände sanft zu den Trachten hin ab. Es gibt keinerlei Aufbiegungen oder Einziehungen.

Die Art des Untergrundes, auf dem die Pferde laufen, hat einen Einfluss auf die Hufe. Pferde, die auf hartem und/oder abriebintensivem Untergrund (Stein, Asphalt, Pflasterstein) leben, weisen meist eine dickere Hufwand auf. Der Tragrand ist sehr stabil und weist keinen Wandüberstand auf.

Lebt ein Pferd in eher weichen Regionen (Naturboden, Lehm, Geröllboden), hat die Wandstärke meist ein normales Maß. Der Abrieb ist nicht so intensiv wie auf hartem Boden und es bildet sich schnell ein Wandüberstand.


Dieser Wandüberstand wird oft fälschlicherweise als Tragrand bezeichnet. Der Tragrand des Hufes besteht aus dem Wandhorn, der weißen Linie und der Sohlenschwiele.

Wandüberstand entsteht durch mangelnde Abnutzung des Hufes. Je nach Höhe des Überstandes läuft das Pferd auf einem mehr oder weniger starken Hornrand, der nicht dafür vorgesehen ist, dass Gewicht des Pferdes "zu tragen".

Das Pferd auf dem Wandüberstand herumlaufen zu lassen, hat den selben Effekt, wie wenn man sich am Fingernagel "schnippt".

Bei jeder Bewegung übt die überstehende Hufwand Druck- und Hebelkräfte auf die Hufkapsel aus. Im Bereich des Kronrands kommt es zur verminderten Durchblutung und der Hufbeinträger erfährt im oberen Hufbereich ständige Zerrungen. Die Verbindung wird so geschwächt und wächst instabil herunter – es kann zu einem Absinken des Hufbeines und der Sohle kommen. Auch die weiße Linie wird ständig durch die einwirkenden Hebelkräfte geschwächt, Bakterien können leichter eintreten; dass weiche Horn der weißen Linie wird bröselig und marode und die Hufkapsel wird so weiter geschwächt. Die einwirkenden Hebelkräfte führen zu Deformationen der Hufkapsel. Die Hufwand biegt sich auf, um sich irgendwann "natürlich" zu kürzen, indem der Wandüberstand abbricht. Das Wegspreizen der Hufwand nimmt das Pferd ab einem bestimmten Grad als Schmerz wahr.


Bei einem bestehenden Wandüberstand ist die Sohle der wichtigste Führer bei der Hufbearbeitung. Je nach Zustand des Hufes, den Bodenverhältnissen und der Nutzung des Pferdes wird der Wandüberstand knapp über oder auf Sohlenniveau gekürzt. Die Sohlenschwiele darf dabei nicht beraspelt, beschnitten oder gar entfernt werden!

Die gesunde Wandstärke wird beibehalten um den Tragrand des Hufes nicht zu schwächen (den Huf "lesen").Damit das Pferd sich den Huf gleichmäßig abnutzen kann, ist eine balancierte und tragfähige Hufkapsel zu fördern und zu erhalten.


Verbiegungen der Hornwand
Die Hufwand verläuft nicht mehr gerade, sondern in einem mehr oder weniger starken Bogen. Die Wandverbiegung kann durch Wandüberstand oder durch Imbalancen der Hufkapsel entstehen.

Vorhandene Wandverbiegungen werden je nach Zustand der Hornkapsel nur teilweise entfernt. Es wird nur das untere Drittel der Hufwand bis zur natürlichen Dicke der Hufwand bearbeitet, um die Balance des Hufes nicht zu zerstören. Die Hufkapsel muss balanciert herunterwachsen. So kann sich der Hufbeinträger regenerieren und die Hufwand mit einer stabilen Verbindung ohne Wandverbiegung herunterwachsen.
Huf vor der Bearbeitung:

Huf nach der Bearbeitung:

Die Wandverbiegung darf auf keinen Fall aus optischen Gründen über die ganze Höhe entfernt und womöglich noch bis zur weißen Linie abgestreckt werden!! Leider wird dies bei vielen
Hufbearbeitungstheorien betrieben. Viele Hufbearbeiter richten ihren Fokus auf das äußere Erscheinungsbild des Hufes und es wird eine regelrechte „Schönraspelei“ betrieben. Die Hufkapsel besitzt nach der Bearbeitung zwar eine augenscheinlich schöne Form, wurde aber lediglich auf ein nettes Erscheinungsbild zurechtgestutzt. Die Funktionalität und Balance der Hufkapsel sowie der inneren Strukturen werden dabei aber völlig außer Acht gelassen. Die Hufkapsel wird bei einer solch angewandten Bearbeitung derart instabil, dass die Wände sich noch schneller und stärker aufbiegen. Der Hufbeinträger wird zusätzlich zu den bereits vorherrschenden Fehlbelastungen geschwächt. Das Hufbein verliert seinen Halt in der Aufhängung und sinkt ab. Die Sohle flacht ebenfalls ab und da der Tragrand durch das starke Abstrecken der Hufwand quasi nicht mehr vorhanden ist, muss das Pferd zu viel Last mit der schmerzenden Sohle tragen. Das stille Leiden des Pferdes beginnt…

Hochgeschobener Kronrand
Ein hochgeschobener oder sogar eingesunkener Kronrand deutet immer auf Imbalancen und Fehlbelastungen der Hufkaspel hin. In manchen Fällen ist er ein Anzeichen für schwerwiegende Erkrankungen des Hufes (Hufrehe).
Ein hochgeschobener Kronrand durch zu hohen Wandüberstand spiegelt sich in der Sohlenansicht wieder und entsteht durch zu wenig und/oder ungleichen Abrieb der Hufkapsel. Da der Überstand sich an der Hufunterseite nicht abnutzen kann, schiebt sich die zu lange Wand nach oben.


Es kommt zu unphysiologischen Belastungsverhältnissen am Hufbeinträger. Diese können entweder zu Einblutungen oder zu Durchblutungsstörungen im betroffenen Abschnitt führen. Je nach Zug- oder Druckbelastung empfindet das Pferd Schmerz und versucht, die hochgeschobene Hufwand zu entlasten. Es kommt zu Kompensations- und Schonhaltungen, die weitere Fehlbelastungen der Hufkapsel und der Gliedmaße nach sich ziehen.

Auch hier ist die Sohle der wichtigste Führer für die Hufbearbeitung! Der Wandüberstand wird je nach Zustand des Hufes, den Bodenverhältnissen und der Nutzung des Pferdes knapp über oder auf Sohlenniveau nach dem Verlauf der Sohle gekürzt (Seitenwandsenke). Mit der Belastung des Hufes kann sich die hochgeschobene Seitenwand innerhalb kürzester Zeit absenken. Der hochgeschobene Kronrand senkt sich so weit ab, wie die Seitenwandsenke es zulässt.


©Manu Volk


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