Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Die Trachten
Die Trachten eines natürlich gesunden und balancierten Hufes besitzen eine Höhe von 1-3 cm. Der Winkel der Trachten sollte höchstens bis zu 5° vom Zehenwinkel abweichen.

Die Trachten verlaufen von der weitesten Stelle des Hufes zur Trachtenendkante, die sich auf der gleichen Höhe wie die breiteste Stelle des Strahles befindet. Die Trachten bilden vom Trachten-Eckstrebenwinkel bis zur Trachtenendkante gemeinsam mit dem Strahl eine stützende und tragende Auflagefläche.

Die Eckstreben verlaufen gerade von der Trachte bis zur weitesten Stelle des Hufes. Das Ballenpolster ist gut ausgeprägt.
Hat der Huf ein natürliches Gleichgewicht, nimmt der Huf bei der Landung mit den Trachten und dem Strahl zuerst Bodenkontakt auf. Der Strahl wölbt sich nach oben in das Strahl- und Ballenpolster. Dieses wird zu einer Blase zusammengepresst und schiebt dabei die Hufknorpel nach oben und außen. Um dem Hufknorpel mehr Raum zu geben, sich seitlich zu bewegen, breitet sich der Haaransatz aus. Der Huf dehnt sich im Trachtenbereich. Das Strahlbein erhält Unterstützung vom weichen Gewebe, so dass es das Hufgelenk optimal bei seiner Ausrichtung unterstützen kann, um das Gewicht des Körpers in der Stützbeinphase aufzunehmen.


Die Trachten besitzen eine wichtige Funktion im biomechanischen Gleichgewicht des Pferdes. Das Gewicht des Pferdes fällt bei bodenparallelem Hufbein und geradem Röhrbein durch die Mitte des Röhrbeins und des Fesselgelenkes senkrecht zu Boden. Die Trachten befinden sich genau unter dieser Kraftlinie. So unterstützen sie die Gliedmaße, stützen die Fessel und haben eine gewichtstragende Funktion.
Ist die ausgewogene Balance des Hufes im Trachtenbereich durch untergeschobene Trachten, Zwanghuf, Erhöhung der Trachten etc. gestört, können die Trachten ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Es kommt es zu einem biomechanischen Ungleichgewicht des gesamten Pferdekörpers. Das Pferd muss sich anders hinstellen, es kommt zu Fehl- und Schonhaltungen, und das Gangbild wird verändert. Der Muskel-, Sehnen- und Bandappart muss vermehrt das Pferdegewicht mittragen, was mit der Zeit zu Schäden und Erkrankungen des Bewegungsapparates führt.

Schon- und Fehlhaltung des Pferdes durch Schmerzen und Imbalancen im Huf:


Solange keine wirklich schmerzhaften Traumen und Verletzungen der Gliedmaße vorliegen, wird das Pferd sich immer mehr in Kompensationshaltungen schieben und das Bewegungsmuster verändern. Das Pferd ist ein Meister darin, funktionale Imbalancen des Hufes und der Gliedmaße auszugleichen. Leider wird das von sehr vielen Hufexperten und Tierärzten nicht mehr erkannt. Es wird von angeborenen Gliedmaßenfehlstellungen und züchterisch bedingten schlechten Hufen gesprochen. Die konventionelle Arbeit am Huf ist durch verhaftete Theorien leider weit verbreitet und findet in vielerlei Hinsicht auch noch Unterstützung. In Anatomie- und Lehrbüchern, Katalogen für Pferdebedarf und Pferdezeitschriften sieht man untergeschobene, eingerollte, hochgezüchtete Trachten und schlecht balancierte Hufe.
Wohin der Pferdebesitzer sieht – fehlerhaft gestellte und zum Teil krankhaft veränderte Hufe.

So wird die pathologische Veränderung des Hufes als Normalzustand hingenommen und viele Pferde dadurch regelrecht zum Krüppel gemacht. Wenn ein Hufexperte Aussagen wie „wenn die Trachten weg sind, dann sind sie weg“ von sich gibt, dann erweist er sich als inkompetent und sollte besser sein mangelndes Wissen erweitern oder den Beruf wechseln.

Zum Leid der Pferde ist es in der heutigen Zeit modern, dem Huf hohe Trachten anzuzüchten und eine hohe, steile Hufkapsel zu produzieren. Manche Hufe erinnern im Aussehen an eine Dose, mit hohen, steilen Hufwänden und viel zu hohen Trachten.

In "Dosenform" gearbeiteter Huf mit viel zu hohen Trachten, Strahl ohne Bodenkontakt

Fehlerhafte Denkansätze haben dazu geführt, dass die Trachten bei der Bearbeitung nicht bis zu ihrer tatsächlichen Trachtenendkante zurückgesetzt werden. Meist lässt man an den Trachten einen gewissen Wandüberstand stehen und arbeitet an der Zehe auf Sohlenniveau (leider oft auch tiefer), um einen optisch steileren Huf zu erzeugen. Es wird nur die Hufkapsel gesehen. Die inneren Strukturen, die Statik und Balance des Hufes werden nicht berücksichtigt, seine biomechanische Funktionalität und die der Gliedmaße werden nicht beachtet.

Viele Hufbearbeiter wollen dem Huf ein gewisses Aussehen und Verhalten aufzwingen, in manchen Fällen verkommt die Bearbeitung zu einer Schönraspelei. Wände werden ausgedünnt, um einen schnelleren Abrieb zu fördern oder der Hufwand einen optisch geraden Verlauf zu verpassen.

Dass der Huf ein lebendiges Organ ist, das sich ständig verändern und an die gegebenen Situationen anpassen kann, wird oftmals nicht wahrgenommen. Der Huf wird wie ein Holzklotz in die gewünschte Form gearbeitet. So sind viele Pferde dazu gezwungen, die meiste Zeit ihres Lebens mit deformierten Hufen und abnormaler Huf- und Gliedmaßenstellung zu stehen und zu gehen. Gerade bei der Steilstellung des Hufes durch Erhöhung der Trachten steht das Pferd wie auf hochhackigen Schuhen mit steilgestelltem Hufbein – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche...

… im Grunde eine Misshandlung des Tieres.

Auch an den Trachten kann es zu Imbalancen und gravierenden gesundheitsschädlichen Veränderungen kommen.

Die Trachten werden nach keinem spezifischen Winkel bearbeitet. Der Verlauf des Kronrandes sollte zu den Trachten hin sanft und harmonisch (ohne Aufwölbungen) abfallen. Bei der Bearbeitung der Trachten ist die Sohle der wichtigste Führer! Loses oder bröseliges Sohlenmaterial wird entfernt, ohne in die harte, lebende Sohle zu schneiden. Die Trachten werden knapp über oder auf Sohlenniveau gekürzt und zurückgesetzt.
Ist die Trachtenwand überbelastet (steil oder sogar eingezogen), ist verstärkt darauf zu achten, dass eine breite Auflagefläche hergestellt wird, damit der Huf seine richtige Balance erhält.
Es ist eine tragfähige und stabile Hufkapsel herzustellen; die Hufwand darf nicht ausgedünnt und zu stark berundet werden. Je nach Zustand des Hufes ist eine Zehenrichtung anzubringen.



©Manu Volk


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