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Die lange Zehe

Sehr viele Hufe domestizierter Pferde zeigen eine lange nach vorne gezogene Zehe. Der Zehenwandwinkel verläuft recht flach, die Trachten sind untergeschoben und der Abrollpunkt des
Hufes ist nach vorne versetzt. Man kann die lange, nach vorne gezogene Zehe auch anhand der Ansicht der Sohlenfläche erkennen. Der Abstand von der Strahlspitze bis zur weißen Linie ist deutlich verlängert. Die Sohle wird mit dem Wachstum ebenso wie die Hufwand nach vorne gezogen. Das Pferd muss sich über die lange Zehe “weghebeln” und dabei erhöhte Muskelarbeit leisten. Die Überbeanspruchung des Hufrollenbereiches, die dann oft zu Podotrochlose führt, sollte hier nicht unerwähnt bleiben.
Eine lange Zehe entsteht meist durch fehlerhafte Hufbearbeitung, (fehlerhaften) Hufbeschlag und Vernachlässigung der Ausschneideperioden. Das Missverständnis, warum die Zehe „zu flach und zu lang“ ist, und die daraus resultierenden Versuche, dies zu korrigieren, ist einer der größten und gewöhnlichsten Fehler in der Hufexpertenwelt. Bei herkömmlichen Hufbearbeitungstheorien verfällt man dem Glauben, man müsste den Huf „passend zum Fesselstand“ ausschneiden. Dabei ist der Fesselstand des Pferdes bei Hufimbalancen nicht mehr aussagekräftig, da das Pferd über Kompensationshaltungen versucht, die fehlende Statik des Hufes durch Rückständigkeit/Vorständigkeit auszugleichen.

Huf mit langer Zehe, flachem Zehenwinkel und untergeschobenen, zu hohen Trachten. Die Zehenachse ist gebrochen und der Huf "nicht passend Fesselstand". Das Pferd steht mit rückständiger Schultergliedmaße und vorständiger Beckengliedmaße, um die Imbalancen der Hufe auszugleichen.


Bei der konventionellen Hufbearbeitung wird nun versucht, die Hufkapsel „steiler“ zu stellen, indem man die Zehenlänge in die feste („lebende“) Sohle und damit in die Sohlenschwiele hinein kürzt. Die Sohle wird also unter dem Hufbeinrand zum Teil erheblich ausgedünnt, um einen optisch steileren Hufwinkel zu erreichen. Manche sind dann besonders schlau und strecken die Zehenwand mit der Raspel so weit ab, bis der Wandverlauf gerade ist und damit der Fesselstand optisch passt. In Wahrheit wurde bei diesem „Missverstehen“ die Zehenschwiele und die Hufwand unphysiologisch ausgedünnt, was zu weiteren gravierenden Belastungen des Hufbeinträgers führt. Das Pferd wird so wahrlich zu einem Zehenspitzengänger gemacht und fühlt sich damit sichtlich unwohl.


Auch bei der nachfolgenden Bearbeitung wurde der gleiche Denkfehler begangen. Der widernatürlich lange Huf wird wegen der untergeschobenen Trachte als „zu flach“ betrachtet. Die Zehelänge wurde an der Sohlenfläche in die Zehenschwiele hinein gekürzt, die Trachten hat man „stehen lassen“ (sie sind ja schon „zu flach“) und die Zehenwand wurde stark abgestreckt.



Man mag so den Zehenwandwinkel optisch steiler bekommen – der Huf wurde allerdings noch mehr aus seiner Balance gekippt. Der Kronrand hat sich im Seitenwandbereich durch die unphysiologischen Druckkräfte aufgewölbt und sinkt zu den Trachten hin in einem Bogen ab. Diese erhalten so ihre Wachstumsrichtung noch mehr flach unter den Huf und können der Gliedmaße noch weniger Unterstützung bieten. Die Körperlast fällt vermehrt auf den hinteren Hufbereich und die Trachten schieben noch weiter unter. Der Huf wurde somit noch mehr aus seiner natürlichen Balance gebracht und seine Statik negativ verändert. Er wird sich mit dieser Bearbeitung nie aufrichten können und immer flacher und weiter nach vorne wachsen. Das Ausdünnen der Sohle und der Zehenwand schwächt zudem die Hufkapsel, die deshalb durch den Druck der Körperlast noch schneller nach vorne weghebelt. Die Leidtragenden dieser dogmatischen Hufbearbeitung sind wie immer die Pferde.

Die nachfolgenden Zeichnungen verdeutlichen, wie der Huf immer mehr nach vorne wächst. Der Wachstum und der Abrollpunkt werden immer weiter nach vorne gezogen, die Trachten schieben weiter unter, der Strahl atrophiert und ein Zwanghuf entsteht.
(rote Linie = weiteste Stelle Huf, gestrichelte Linie = Hufbeinrand)






Das Pferd versucht, die zerstörte Balance des Hufes durch Kompensationshaltungen auszugleichen. Es kommt zu Gliedmaßenfehlhaltungen, übermäßig ausgeprägten Muskelpartien, stark angespannten Sehnen und Muskeln. Der Abrollpunkt des Hufes steht nicht mehr in korrekter Relation zum Hufbein. Das Pferd muss einen längeren Hebel überwinden und wird versuchen, den Huf über Ausgleichsbewegungen schneller vom Boden abheben zu können. Die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des Pferdes werden hierbei weiter geschwächt.
Hält dieser Zustand länger an und wächst die die Hufkapsel immer nach vorne, kommt es nach und nach zu schädigenden Fehlbelastungen der inneren Strukturen und des Hufbeinträgers.


©Manu Volk


Die Zehe

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