Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Die Steilstellung der Hufkapsel
Die widernatürliche Steilstellung der Hufkapsel
Ein Pferd mit physiologisch gesunder Gliedmaßenstellung steht mit bodenparallelem Hufbein, die Knochenlinie von Fesselbein und Kronbein verläuft gerade mit gleichmäßiger Belastung der Hufgelenksfläche und das Röhrbein steht gerade. Ist die Gliedmaße solchermaßen in Balance, stimmt das Spannungsgleichgewicht zwischen dem Streck- und Beugesystem und das Pferd steht ermüdungsfrei mit entspannter Gliedmaßenmuskulatur.


Der Huf besitzt eine natürliche Kürze (Zehenlänge 8-12 cm, Trachtenhöhe 3-5 cm), der Strahl hat Bodenkontakt und bildet mit den Trachten eine tragende Auflagefläche, die Hufwände verlaufen gerade und eben von der Haarlinie bis zum Boden. Die Sohle ist konkav gewölbt und besitzt am Abrollpunkt eine schützende Sohlenschwiele, die Zehe ist kurz und ermöglicht ein schnelles Abfußen.
(Hufkapsel mit natürlicher Auflagefläche)

Viele Pferde leiden allerdings unter Hufdeformationen und werden gezwungen, in abnormer Haltung und Gliedmaßenstellung zu stehen. Tag und Nacht, 24 Stunden, über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinweg sorgen Imbalancen der Hufkapsel und Hufdeformationen dafür, dass das Pferd sich mit Kompensationshaltungen aufrecht hält. Ermüdungsfreies Stehen ist so nicht möglich und das Pferd muss für die Bewegung zusätzliche Energie aufwenden.

In der heutigen Zeit ist vermehrt die widernatürliche Steilstellung der Hufkapsel anzutreffen. Das Pferd wird „passend Fesselstand“ gestellt. Manche Hufe haben das Aussehen einer Dose und der Kronrand verläuft im schlimmsten Fall gerade. Dass das Pferd mit hochgezogener Schulter und Gliedmaße versucht, Ungleichgewichte im Streck- und Beugesystem auszugleichen, wird übersehen. Untergeschobene Trachten sowie zu hohe Trachten können dem Fesselgelenk und der Gliedmaße keine Unterstützung mehr geben. Ein steilgestelltes, nicht bodenparallels Hufbein sorgt für ein Sehnenungleichgewicht – das Pferd stellt sich in eine Entlastungs- und Kompensationshaltung (meist Rückbiegigkeit) und der Fesselstand ist somit verfälscht und liefert keinerlei Anhaltspunkte! Das Spannungsgleichgewicht zwischen Streck- und Beugesystem ist nicht mehr gegeben und das Pferd versucht über muskuläre Verkürzung der jeweilig betroffenen Sehnen, die Stabilität der Gliedmaße aufzubringen. Es kommt zu Fehlhaltungen, welche wiederum zu unphysiologischen Belastungen des gesamten Sehnen-, Bänder- und Muskelapparates führen.

Durch fehlerhafte/mangelnde Hufbearbeitung herbeigeführte Ungleichgewichte im Körper werden vom Pferd durch Kompensationshaltungen ausgeglichen – viele der sogenannten „Gliedmaßenfehlstellungen“ sind Imbalancen des Pferdekörpers, die sich durch eine gute Hufbearbeitung innerhalb kürzester Zeit zu einer ausbalancierten und gleichmäßig belasteten Gliedmaße wandeln lassen.

Der steile Huf mit hohen Trachten ist in der Hufexpertenwelt sehr angesagt. Dabei wird der Huf leider nach rein optischen Gesichtspunkten bearbeitet. Die Zehenwand und die Trachten müssen schön hoch sein – wer kennt nicht die Aussage manch eines Pferdebesitzers: „wir haben über ein Jahr gebraucht, um so lange Trachten zu züchten…“. Egal, wohin man sieht, es scheint nur noch darum zu gehen, einen möglichst hohen Huf mit möglichst hohen Trachten zu produzieren. Scheinbar hat man völlig vergessen (oder nie gelernt?), wie es IN der Hufkapsel aussieht und was mit den inneren Strukturen passiert.

links im Bild Huf mit gesunder Trachtenhöhe - rechts im Bild Huf mit "hochgezüchteten" Trachten



Viele Hufexperten begehen daher den gleichen Fehler. Sie glauben, dass an diesem Huf die Zehe zu „lang“ und die Trachten „zu kurz“ sind.

Der Huf wird an der Zehe in die Sohlenschwiele hinein gekürzt, die Zehenwand von außen abgestreckt und die Trachten werden nicht bearbeitet, um einen optisch steileren Hufwinkel zu erreichen.

Tatsächlich aber ist dieser Huf an der Zehe bereits zu kurz! Der Huf “zeigt” genau die Position des Hufbeines in der Hornkapsel (den Huf lesen!). Oberhalb des Kronrandes, wo die Zehenwand steiler nach unten wächst (blaue Markierung) ist die Wand noch gut mit dem Hufbein verbunden. Danach ist die Wand vom Hufbein separiert und durch das ständige stehenlassen der Trachten steht das Hufbein rotiert in der Kapsel.

Durch das “übliche steilerstellen” mit dem Ausdünnen der Sohlenschwiele und dem Abstrecken der Zehenwand wird die Hufkapsel weiter geschwächt. Das Hufbein rotiert noch mehr und das Pferd wird tatsächlich zu einem Zehenspitzengänger.

Die im Zehenbereich instabile Hornkapsel versucht, die unphysiologischen Druckverhältnisse zu kompensieren. Die Sohle und die Hufwand ziehen nach vorne, um die nötige Basis der Hufkapsel wieder herzustellen. Die Zehenwand “schnabelt” wieder nach vorne weg, die Trachten schieben weiter unter.

Ein nie endend wollender Kreislauf beginnt. Es ist NICHT das Pferd, das schlechte Hufe hat, es ist der Hufbearbeiter, der versagt und in dogmatischem Denken und Handeln steckengeblieben ist!

Huf in zwei Hälften geteilt. Links im Bild Hufhälfte mit "stehengelassenen" Trachten (Separation und Rotation des Hufbeines ist zu erkennen) - rechts im Bild Hufhälfte Trachten zurückgesetzt (deutliche Entspannung im Zehenbereich, Hufbein kehrt in Ausgangsposition zurück)


Zu hohe Trachten oder verwendete Keileinlagen sowie starkes bearbeiten der Zehenwand erzeugen optisch schöne steile Hufwinkelmaße – die Funktionalität des Hufes und der gesamten Gliedmaße werden hierbei aber völlig außer Acht gelassen! Diese nicht funktionale steile Stellung des Hufes führt zu einer Steilstellung des Hufbeins: es wird auf den scharfen knöchernen Rand des Hufbeinknochens gestellt. Das Hufbein ist nicht mehr bodenparallel, sondern es „rotiert“ in der Hufkapsel. Neben dem Sehnenungleichgewicht kommt es so zu Fehlbelastungen der Gelenke und ihrer Bänder und zu unphysiologischen Druck- und Zugverhältnissen in der Hufkapsel, die mit schlechter bis mangelnder Durchblutung sowie Schädigungen des Hufbeinträgers bis hin zu seiner Zerstörung einhergehen. Hufbeinseparation und im schlimmsten Fall eine Hufrehe sind die Folge.

©Manu Volk


Die Trachten

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