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Zwanghufe
Als Zwanghufe werden Hufe bezeichnet, bei denen einzelne Hufwandabschnitte verengt sind. Man unterscheidet den Trachtenzwanghuf, den Sohlenzwanghuf, den Kronenzwanghuf und den Tragrandzwanghuf.





Der Trachtenzwanghuf

Bei einem Trachtenzwanghuf ist der Huf in seiner hinteren Hälfte zu eng. Die Trachtenwand, die Eckstrebe und die Eckstrebenwände sind deformiert. Die Trachtenwände stehen eng und verlaufen übermäßig schräg nach innen. Die Eckstreben verlaufen in einem Bogen gegen die Trachtenwand. Die Strahlfurchen sind sehr eng und meist tief. Der Strahl ist mehr oder weniger stark atrophiert und dadurch anfällig für Zersetzungsprozesse (Strahlfäule). Das Ballenpolster ist ebenfalls mehr oder weniger stark atrophiert. Bei einem starken Trachtenzwang wird die Ballenfurche zusammengequetscht. Im Extremfall zieht sich der Ballenkronrand in der Mitte zusammen und sinkt ab, anstatt parallel zum Boden zu verlaufen.

Es wird unterschieden in den beidseitigen Trachtenzwanghuf oder den einseitigen Trachtenzwanghuf. Beim einseitigen Zwanghuf kommt es zu einer verstärkten Belastung der medialen oder lateralen Trachte, in deren Folge sich die betroffene Trachte unterschiebt und einzieht. Die Trachte steht zuerst sehr steil. Dann biegt sich die betroffene Trachtenwand negativ unter den Huf; im schlimmsten Fall rollt sie sich ein. Zudem kommt es durch die übermäßige einseitige Belastung zu strukturellen Veränderungen der bindegewebigen Anteile zwischen den Ballen.

Die Lederhaut- und Hornblättchen der Trachten verbiegen sich wellig.

Die Strahllederhaut und die Lederhautabschnitte im Bereich der Trachten werden durch die Zwangsituation gequetscht, was zu einer verminderten Durchblutung führt.

Durch die schlechtere Durchblutung kommt es zu einer langsameren Hornbildung und minderer Hornqualität. Der Strahl wird anfälliger für Strahlfäule und atrophiert noch mehr. So entsteht ein Teufelskreis und die Trachten verengen sich immer mehr.
Es kann zu Lederhautentzündungen und zur Bildung von Steingallen im Trachten- und Eckstrebenbereich kommen. Eckstrebenbrüche sind ebenfalls möglich.
Das Hufbein erfährt an seinem Sohlenrand und an den Hufbeinästen eine Druckatrophie; es kommt zu Knochenabbau und –umbildungen.

Beim geringgradigen Zwanghuf hat der Huf noch eine annähernd runde Form. Die Trachten- und Eckstrebenwände stehen allerdings näher beieinander und beginnen, den Strahl einzuschnüren. Dieser ist noch relativ gut entwickelt. Die Eckstreben verlaufen nicht mehr gerade, sondern beginnen, in einem Bogen zu verlaufen. Die seitlichen und die mittlere Strahlfurche werden enger. Es kommt zu verminderter Durchblutung im hinteren Hufbereich.

Wird nichts gegen den Zwang unternommen, entwickelt sich der mittelgradige Zwanghuf. Der Huf verliert immer mehr seine rundliche Form. Die Trachtenwände werden steil; sie stehen erst senkrecht und beginnen dann, sich negativ einzuziehen. Sie verlaufen von der weitesten Stelle beinahe gerade nach hinten, der Huf wird lang und schmal. Die Trachtenendkanten zeigen zueinander hin und es beginnt die sogenannte „Zangenbildung“. Die Eckstreben verbiegen sich immer mehr. Der Strahl wird eingeklemmt und atrophiert weiter. Die mittlere Strahlfurche wird schmal und tief und anfällig für Strahlfäule. Durch die Quetschungen beginnt das Strahl- und Ballenpolster ebenfalls zu atrophieren und die Ballen werden enger.

Durch die unphysiologische Belastung kommt es zu Scherkräften zwischen den Ballen. Die Folgen sind strukturelle Schädigungen des Bindegewebes. Die Ballen beginnen, sich gegeneinander zu verschieben.

Die hohen Eckstreben hebeln nach innen und die Sohle wird um den Strahl herum nach innen gepresst (beginnender Sohlenzwang).

Das Pferd schont den hinteren Hufbereich und neigt zu einer Zehenlandung, wodurch die Situation noch verschlimmert wird. Es kann zu einem klammen und fühligen Gangbild kommen. Die volle Gewichtsbelastung des Trachtenbereiches wird wegen des Schmerzes vermieden und die Fessel wird festgehalten, indem das Pferd die Beugemuskeln anspannt. Auch beim Laufen wird die vollständige Extension der Fessel bei Belastung vermieden.

Die Situation entgleitet und es kommt zu einem hochgradigen Zwanghuf. Der Huf ist lang und schmal.

Die Trachenwände verlaufen negativ nach innen und der Huf ist am Kronrand in diesem Bereich deutlich weiter wie am Tragrand. Die Eckstreben sind konkav verbogen und das Eckstrebenhorn wächst in Schichten über die Sohle. Der Strahl ist stark atrophiert, die mittlere Strahlfurche tief und eng, die Strahlschenkel sind kaum noch vorhanden. Auch das Ballenpolster ist stark atrophiert, die Ballen sind eingefallen und klein. Sie liegen eng beieinander, im Extremfall beginnen sie, sich übereinander zu schieben. Es kommt zum Verlust des strukturellen Zusammenhanges der Ballen. Die Ballen können mit der Hand relativ leicht voneinander weg oder gegeneinander verschoben werden. Bei Belastung verengen sich die Trachtenwände statt sich zu weiten.

Dabei werden die betroffenen Abschnitte von Strahl-, Ballen-, Wand-, und Sohlenlederhaut gequetscht und komprimiert. Es kommt zur verminderten Durchblutung und dadurch zu schlechtem Hornwachstum und verminderter Hornqualität. Das Hufbein erfährt durch die eingeengten Trachten- und Seitenwänden einen permanenten Druck. Es kommt zum Knochenabbau an den Seitenästen und dem Hufbeinrand. Lahmheiten sind möglich.
Beim einseitigen Trachtenzwang kann es zu einer erheblichen Ballenverschiebung kommen, die für das Pferd sehr schmerzhaft ist und die zur Lahmheit führen kann.


Entstehung
Viele Zwanghufe entstehen bereits im Fohlenalter. Mangelnde Bewegung auf hartem Boden, tiefe Einstreu, mangelnde (meist sogar fehlende) Hufpflege, die Hufe wachsen zu lang. Außerdem kommt es bedingt durch den körperlichen Wachstum phasenweise zu bodenweiter oder bodenenger Stellung, was die Bildung eines einseitigen Trachtenzwanghufes begünstigt.
Zwanghufe wirken sich nachteilig auf Entwicklung des Fohlens aus. Es kommt zu einem verminderten Wachstum des Hufbeines und der Hufbeinäste. Die Bildung einer gesunden, stabilen Hufkapsel wird so bereits im Alter von wenigen Monaten eingeschränkt (eingezwängt).
Bei großer Trockenheit trocknet der Huf aus. Die Elastizität des Hufhornes und die physiologische Beweglichkeit der Trachten und des Strahles werden verändert, der Strahl zieht sich durch Trockenheit zusammen.
Auf trockenem, hartem und steinigem Boden entwickelt sich eine feste Hornstruktur und dicke Hufwände. Infolgedessen wird Hufmechanismus eingeschränkt.
Einstreu wie Säge- oder Hobelspäne entzieht dem Huf Feuchtigkeit. Der Huf wird extrem hart. Trockene Witterungsverhältnisse beschleunigen den Prozess der Zwanghufbildung.
Auch mangelnder Bodenkontakt des Strahles führt zu einer Deformierung der Trachten. Das übermäßige Beschneiden des Strahles , der Sohle –besonders der Sohlenschenkel – fördern die Bildung des Trachtenzwanges. Zu hohe Trachten und der vorhandene Wandüberstand an den Trachten hebeln nach innen. Bei zu langen Hufen mit einer zu langen Zehe wird das Körpergewicht auf die hintere Hufhälfte verlagert. Kompensationshaltungen wie Rückständigkeit der Vordergliedmaße und Vorständigkeit der Beckengliedmaße sorgen für unphysiologischen Druck auf den hinteren Hufbereich. Die Trachten schieben vermehrt unter und bilden einen Zwang.
Durch eine Zehenlandung wird die Bildung eines Zwanghufes ebenfalls gefördert. Die Trachtenwände hebeln nach innen, der Strahl hat keinen Bodenkontakt.
Bei unzureichender oder gar fehlender Hufpflege und mangelndem Abrieb wächst der Huf zu lang. Die Trachten- und Eckstrebenwände biegen sich um und ein Zwanghuf entsteht.
Durch einseitiges Auffußen auf einer Hufseite wirken anormale Kräfte auf die betroffene Trachte ein. Die Trachtenwand verengt sich, es kommt zum einseitigen Trachtenzwang.

Zu kurz, zu weit, zu eng gelegte Eisen führen ebenso wie zu frühes Beschlagen des Hufes ( Hufbein befindet sich bis ca. zum 5. Lebensjahr im Wachstum) zur Ausbildung eines Zwanghufes. Der Hufbeschlag verändert den Hufmechanismus und führt früher oder später zu Trachtenzwang. Der naturgemäße Bodengegendruck für den Strahl und die Sohle findet mit Beschlag nicht statt. Anstatt den Huf zu balancieren. Legen manche Hufexperten die Eisen immer enger, damit sich das Pferd nicht ein- und damit die Eisen abtritt.
Fehlerhaftes Ausschneiden führt schnell zum einseitigen Trachtenzwang, wenn eine Trachte höher gelassen wird als die andere. Die Trachtenwände sind hierdurch unterschiedlich lang und der Huf befindet sich nicht mehr im Gleichgewicht.

Auswirkungen
Es kommt zur Überlastung der TBS, da das Pferd sich über Anspannung der Beuge- und Streckmuskulatur aufrechthält.
Beginnt der Trachtenzwang bereits ab der weitesten Stelle des Hufes, kommt es zu einem Knochenumbau/-abbau der Hufbeinäste. Die Hufknorpel rollen sich ebenfalls ein und es kann zur Hufknorpelverknöcherung kommen.
Entzündungen der Huflederhaut in den Sohlenwinkeln und an den Trachtenwänden sind möglich.
Durch Überdehnung des Kronrandes kann es zu Hornspalten an den Seiten- und Trachtenwänden kommen. Der Sohlenrand des Hufbeines und die Seitenäste erfahren eine Druckatrophie.

Öffnungsschnitte beim Zwanghuf
Oftmals werden bei Zwanghufen sogenannte „Öffnungsschnitte“ angebracht, die dafür sorgen sollen, dass der Trachtenzwang sich öffnet. Meist werden sie sinn- und gedankenlos angebracht und dabei die wichtige Auflagefläche der Trachten verkleinert oder sogar zerstört. In den meisten Fällen ist ein Öffnungsschnitt kontraproduktiv und verschlimmert eher die Situation.

Der Sohlenzwang
Beim Sohlenzwang zeigt die Sohle eine übermäßige Wölbung. Die Sohle wird immer höher gedrückt. Meist entsteht er, wenn der Huf zu lang wächst (vor allem beschlagene Hufe). Durch den hohen Wandüberstand kann der Hufmechanismus nicht mehr richtig arbeiten. Der Huf dehnt sich im Trachtenbereich nicht mehr aus, sondern wird zusammengezogen. Dabei drückt der entstehende Hebel die Sohle nach oben.
Hufe mit sehr dicken Hornwänden und starken Eckstreben neigen vermehrt zum Sohlenzwang (z.B. bei spanischen Pferden).

Kann die Sohle sich nicht abnutzen, stapelt sich das Zerfallshorn im Huf auf (volle Sohle) und drückt ebenfalls die Sohle nach oben. Genauso drücken zu harte Einlagen und Hufpolster die Sohle hoch, so dass es zu einem Sohlenzwang kommt.
Hohe Trachten in Kombination mit zu langen Eckstreben, die sich nicht abnutzen können, hebeln die Sohle im hinteren Hufbereich nach oben. Das Hufbein steht steil in der Hufkapsel und es kommt durch den vermehrten Druck im Zehenbereich zu einem Absinken der Sohle im vorderen Hufbereich.


Bei stark untergeschobenen Trachten und einer nach vorne gezogenen Hufkapsel wird die Sohle oftmals in der Längsrichtung nach oben gedrückt. Es kommt zu einem verstärkten Wachstum der Seitenwände.
Ist die gesamte Sohle von Eckstrebenhorn überwuchert, kann es ebenfalls zum Sohlenzwang kommen. Das Horn der Eckstrebe ist härter als das Sohlenhorn. Es nutzt sich weniger ab und hemmt gleichzeitig den Hufmechanismus.
Die gesamte Sohlenlederhaut oder größere Teile davon werden permanent gequetscht. Die Blutzirkulation ist vermindert. Es kann zu Blutergüssen kommen, die man beim Ausschneiden vorfindet. Besteht der Sohlenzwang über einen längeren Zeitraum, kommt es zu einer Druckatrophie des Hufbeines, die wiederum zu Knochenabbau führt.

Der Kronenzwanghuf
Beim Kronenzwanghuf befindet sich unter dem Kronrand eine Einschnürung der Hornwand. Die betroffene Hufwand ist konkav Verformt. Der Kronenzwang kann als einseitiger, einseitig halber, beiderseitiger oder ganzer Kronenzwang vorkommen.

Der Durchmesser des Kronrandes und des Tragrandes ist weiter als die Horneinschnürung. Mit fortschreitendem Wachstum wird die Einschnürung nach unten geschoben. Der Huf sieht sanduhrförmig eingezogen aus.
Häufigste Ursachen des Kronenzwanghufes sind fehlerhafter Beschlag (Eisen zu eng gelegt) und fehlerhafte Hufbearbeitung (Imbalancen der Hufkapsel). Auch starke Trockenheit und mangelnde Bewegung können zu einem Kronenzwang führen.

Die betroffenen Pferde gehen meist klamm, Lahmheiten sind ebenfalls möglich. Es kommt zu Quetschungen und Entzündungen der Lederhaut. Mit fortschreitendem Wachstum wird die Einziehung nach unten geschoben. Ist diese am Tragrand angekommen, ist der Kronenzwang in den meisten Fällen geheilt.

Der Tragrandzwanghuf
Beim Tragrandzwanghuf ist der Tragrand deutlich enger als der Kronrand. Die Seiten- und Trachtenwände stehen steil und neigen sich negativ nach innen.

Diese Hufform ist beim neugeborenen Fohlen physiologisch. Durch frühzeitige und ausreichende Bewegung auf ausreichend hartem Untergrund bildet der Fohlenhuf sich in die typische kegelförmige gesunde Hufform aus.
Fehlt diese Bewegung auf angemessenem Untergrund, bleibt die dann als pathologisch anzusehende Hufform bestehen. Die inneren Strukturen der Hufkapsel werden bei dieser Hufform eingezwängt und verändern sich krankhaft. Hufe mit einer starken Hufknorpelverknöcherung können die verkehrt kegelförmige Gestalt des Tragrandzwanghufes annehmen.

©Manu Volk


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